Dyskalkulie Zahlenhaufen schmal 1500x300

In der Ergotherapie wird das Zahlen- und Mengenverständnis eines Kindes im Kindergartenalter trainiert. Für die Förderung ab Schulalter, also für das Rechnen, sind Dyskalkulietrainer*innen zuständig. Um auch Volksschulkindern beim Erlernen des Rechnens unterstützen zu können, schloss ich die Ausbildung zur Diplomierten Dyskalkulietrainerin ab.

Hat Ihr Kind Schwierigkeiten beim Rechnen?

Sie können sich gerne telefonisch oder per E-Mail bei mir melden! Gemeinsam können wir besprechen, ob ein Dyskalkulietraining sinnvoll wäre.

Man kann zwischen Rechenschwäche und Dyskalkulie unterscheiden:

Eine Dyskalkulie ist angeboren. Kinder (und Erwachsene) mit Dyskalkulie können sich beispielsweise die Menge einer Zahl (z.B. 7 = ooooo oo) sowie Rechenoperationen (+, -, ., 🙂 kaum vorstellen, sich Zahlen weniger gut merken und haben daher Schwierigkeiten, Zusammenhänge beim Rechnen zu verstehen (z.B. wenn 8+10=18, dann ist 8+9= um eines weniger).

Eine Dyskalkulie kann nicht komplett “wegtrainiert” werden, sondern bleibt ein Leben lang bestehen. Im Dyskalkulietraining kann allerdings auf die Schwierigkeiten des Kindes eingegangen werden: Durch gezieltes Training und Kompensationsstrategien können Erfolge in der Schule und im Alltag erzielt werden.

Zusätzlich zu den Schwierigkeiten beim Umgang mit Zahlen, haben Menschen mit Dyskalkulie häufig Defizite in einem oder mehreren der folgenden Bereiche:

–   Optische Differenzierung (= visuelle Unterscheidung)
–   Optische Serialität (= visuelle Reihenbildung)
–   Optisches Gedächtnis (= visuelle Merkfähigkeit)
–   Akustische Differenzierung (= auditive Unterscheidung)
–   Akustische Serialität (=auditive Reihenbildung)
–   Akustisches Gedächtnis (=auditive Merkfähigkeit)
–   Raumorientierung (= räumlich-visuelle Wahrnehmung)
–   Körperschema ( = Körperwahrnehmung)

Hinzu kommen Schwierigkeiten in der Aufmerksamkeit beim Rechnen.

Im Dyskalkulietraining wird festgestellt, welche dieser Schwierigkeiten zusätzlich zu den rechnerischen Fähigkeiten des Kindes trainiert oder kompensiert werden sollten, damit Fortschritte beim Rechnen möglich sind.

Eine Rechenschwäche ist im Gegensatz zur Dyskalkulie nicht genetisch bedingt. Die Ursachen einer Rechenschwäche sind vielfältig: Es können zum Beispiel Konzentrationsschwierigkeiten, eine Entwicklungsverzögerung oder (unentdeckte) Hör- oder Sehprobleme eine Rechenschwäche verursachen. Auch ungünstige schulische Bedingungen oder belastende Ereignisse im Leben eines Kindes können eine vorübergehende Rechenschwäche hervorrufen.
Durch ein ausreichend häufiges Rechentraining über einen längeren Zeitraum kann eine Rechenschwäche verschwinden. Beim Training  werden mathematische Fähigkeiten verbessert und Strategien, die für das Rechnen benötigt werden, erlernt.

Ich stelle keine Befunde über Rechenschwäche oder Dyskalkulie aus, die beispielsweise für einen Nachteilsausgleich in der Schule benötigt werden. Wenden Sie sich hierfür bitte an die Schule Ihres Kindes. Es gibt üblicherweise für jede Schule eine(n) Schulpsycholog*in, die/der Austestungen durchführt.

Ich kann Ihnen aber gerne, nachdem ich Ihr Kind kennen gelernt und eine ausführliche Begutachtung durchgeführt habe, eine Einschätzung geben und Sie bezüglich der Schwierigkeiten und Stärken Ihres Kindes beim Rechnen und den dazu benötigten Fähigkeiten beraten. Darauf aufbauend findet das Dyskalkulietraining statt.

Anzeichen für eine Rechenschwäche oder Dyskalkulie können unter anderem sein:

  • das Kind hat dauerhaft größere Schwierigkeiten beim Rechnen, als seine Klassenkolleg*innen
  • es kann sich Zahlen oder Rechenoperationen schlecht vorstellen
  • es benutzt zum Rechnen auch in der 2. Klasse fast immer seine Finger, weil es sich die Rechnungen im Zahlenraum bis 10 nicht auswendig merken kann
  • es vergisst Gelerntes schnell
  • das Kind zeigt aufgrund der häufigen Misserfolge große Unlust/Verweigerung beim Rechnen

Ab Ende der 2. Klasse kann zwischen einer angeborenen Dyskalkulie und einer Rechenschwäche unterschieden werden.

Anzeichen gibt es bei beidem jedoch meist deutlich früher: Auch Erstklässler*innen werden häufig zum Dyskalkulietraining geschickt. Je eher Schwierigkeiten erkannt und abgefangen werden, desto besser.

Hinweise auf eine Dyskalkulie können sogar bereits ab etwa 4 Jahren entdeckt werden. Dazu zählen einerseits bestimmte Schwierigkeiten in der Sinneswahrnehmung. Andererseits gibt es einige mathematische Vorläuferfertigkeiten, die im Vorschulalter von allen Kindern verstanden werden sollten. Sie sind die Grundlage für den Schulstoff der ersten Klasse. Dazu gehört beispielsweise das korrekte vorwärts und rückwärts Zählen bis 10, ein Mengenverständnis der Zahlen, das Erkennen der Würfelbilder und Strategien um Mengen vergleichen zu können. Ergotherapeut*innen und Dyskalkulietrainer*innen können diese Fähigkeiten begutachten und bei Bedarf fördern.

Je früher das Training ansetzt, desto schneller zeigen sich Erfolge.

So können (und sollten) Schwierigkeiten beim Zahlen- und Mengenverständnis bereits im Vorschulalter von Ergotherapeut*innen erkannt und gefördert werden, damit das Kind zum Schulstart die nötigen mathamatischen Vorläuferfertigkeiten mitbringt.

Der Mathematik-Unterricht in der Schule ist aufbauend. Das bedeutet: Wenn ein Kind einen Bereich noch nicht ausreichend verstanden hat bzw. noch nicht gut genug beherrscht, werden sich in Folge dessen weitere Schwierigkeiten bei anderen mathematischen Lerninhalten zeigen. Beim Training wird darauf Rücksicht genommen und häufig bei “Basisfähigkeiten” angesetzt, wie dem Verständnis der Rechenoperationen (+, -, ., 🙂 und des Stellenwertsystems (Einer, Zehner, Hunderter, …), beim Automatisieren von Zahlzerlegungen im Zahlenraum 10 oder beim Verständnis und der Anwendung von Rechenstrategien (z.B. Verdoppeln, 9er-Trick, diverse Zehnerübergangsstrategien, etc.). Je früher das Kind Sicherheit in diesen Fähigkeiten erlangt, desto eher können darauf aufbauende Lernziele erreicht werden.

Bei Kindern mit Dyskalkulie werden beim Training einerseits die Rechenfertigkeiten gefördert. Andererseits werden dafür benötigte Fähigkeiten und die Aufmerksamkeit beim Rechnen trainiert oder Kompensationsstrategien erarbeitet.

Bei Kindern mit einer Rechenschwäche liegt der Schwerpunkt des Trainings auf den Rechenfertigkeiten.

Sowohl bei Kindern mit Dyskalkulie als auch bei jenen mit Rechenschwäche sollte das Training wöchentlich über einen Zeitraum von mehreren Monaten stattfinden. Zudem sollte zu Hause täglich für einige Minuten geübt werden. Hierfür leihe ich gerne vielfältige Spiele und Materialien zum Üben aus.

Das Training erfolgt in jedem Fall individuell auf die Stärken und Schwächen des Kindes angepasst. Bei der Begutachtung am Anfang des Trainings werden die Bereiche des Rechnens, bei denen das Kind Schwierigkeiten hat analysiert und mittels verschiedener erfahrbarer Materialien daran gearbeitet: Als erster Schritt wird immer das notwendige Verständnis z.B. für die verschiedenen Rechenoperationen aufgebaut und als zweiter Schritt werden die häufig benötigten Zahlzerlegungen, Additionen, Multiplikationen etc. soweit geübt, dass sie automatisiert werden.

Wann immer möglich findet das Training in Form von Spielen und Entdeckeraufträgen statt. Das Kind soll Interesse und vielleicht sogar Freude am Rechnen (wieder)erlangen!